La collection jésuite des Fontaines

La Collection jésuite des Fontaines a été déposée à la Bibliothèque municipale de Lyon pour 50 ans, suite à la décision de la Compagnie de Jésus de fermer le Centre Culturel des Fontaines situé à Gouvieux, près de Chantilly (nord de Paris). Elle compte 500000 documents.

Hélyot Pierre, Histoire des ordres monastiques, religieux et militaires, 1718 (SJ HO 002/7)Die Kollektion der Jesuiten von Les Fontaines fand in der Stadtbibliothek von Lyon eine neue Heimstätte, nachdem die Gesellschaft Jesu beschlossen hatte, das Centre Culturel des Fontaines in Gouvieux bei Chantilly zu schließen. Sie umfasst 500 000 Dokumente.

Zunächst soll die Kollektion für 50 Jahre in Lyon verbleiben, so wurde es am 20. Oktober 1998 in dem Vertrag zwischen der Stadt Lyon, der Gesellschaft Jesu und der Universität Lyon vereinbart. „Sie vertrauten uns eine Bildungsinstitution an, wir vertrauen Ihnen jetzt eine Bibliothek an.“ Mit diesen Worten erinnerte Pater Jean-Noël Audras, das französische Oberhaupt der Gesellschaft Jesu, an die Zeit von 1565 bis 1762, als die Stadt Lyon den Bildungsauftrag in die Hände der Jesuiten legte, die das Collège de la Trinité gründeten, das im Gebäude des heutigen Lycée Ampère untergebracht war.

Le centre culturel des Fontaines à Chantilly, avec à gauche la bibliothèque. Die Stadtbibliothek von Lyon ist nun für die Inventarisierung, Aufbewahrung, Erhaltung und Nutzung dieser wertvollen Kollektion zuständig. Es waren mehr als 37 Lastwagen nötig, um die 1737 Archivkästen, in denen die Sammlung aufbewahrt wurde, nach Lyon zu transportieren. Der Umzug der Kollektion dauerte zwei Monate, von Dezember 1998 bis Januar 1999.

(Centre Culturel des Fontaines in Chantilly mit der Bibliothek (links)) Insgesamt befinden sich 9846 laufende Meter Bücher und Zeitschriften auf einer Fläche von 1900 m2 auf mehr als zwei von 17 Stochwerken des Magazins der Bibliothèque de la Part-Dieu.

1951 wurde in Chantilly die Sammlung begonnen, zu der im Laufe der Jahre mehrere größere Teilbibliotheken vereinigt wurden und sie zu einer Kollektion von erstem Rang machten. Etwa 300 000 Bände stammen von der Kanalinsel Jersey, auf die sich die Gesellschaft Jesu 1880 vor der Vertreibung des Ordens aus Frankreich geflüchtet hatte.

Dazu kamen 1957 ca. 150 000 Bücher aus der theologischen Bibliothek von Enghien in Belgien. Diese zwei Hauptquellen wurden 1962 durch die Bibliothek von Vals-près-le-Puy (Auvergne) und 1972 durch die Bibliothek von Baume d’Aix-en-Provence noch um weitere 60 000 Dokumente aus den Bereichen der Geschichte, Literatur und Sprachwissenschaft ergänzt. Besonders hervorzuheben ist eine Sammlung von philologischen Dissertationen, die bis ins Jahr 1810 zurückreichen.

Die Kollektion vereint unterschiedlichste und wertvolle Dokumentarten

Die Kollektion zeichnet sich durch einen umfassenden und enzyklopedischen Anspruch aus, der eine äußerst vielfältige Sicht auf theologische und religiöse Fragen, aber auch auf die Geisteswissenschaften und Bildung im Europa des 16. bis 18. Jahrhunderts vermittelt. Im Mittelpunkt der Kollektion steht die Geschichte der Spiritualität und besonders des Katholizismus, der in seinen historischen, sozialen und kulturellen Kontext eingebettet wird

Die Schwerpunkte der Sammlung liegen auf

  • Spiritualität (Texte und wichtige Autoren)
  • Patristik (die Werke der Kirchenväter)
  • Theologie (vom Mittelalter bis zur Gegenwart)
  • der Heiligen Schrift (zahlreiche Ausgaben und Kommentare der Bibel, Thora und des Koran)
  • Liturgie
  • Kirchen- und Religionsgeschichte

Ein Teil der Kollektion, etwa 40 000 Jesuitica und die meisten philosophischen Werke, wird nicht in Lyon aufbewahrt, sondern ist im Centre Sèvres in Paris zugänglich.

Die Kollektion ist thematisch geordnet, deshalb stehen die Werke Luther neben denen von Calvin, Voltaire, Marx, Lenin und Darwin. Über die Religionswissenschaften hinaus ist diese Kollektion auch ein Zeugnis für den unerschöpflichen Wissensdurst der Jesuiten und der Weite ihrer Studieninteressen.

Biblia de Robert Estienne Paris, 1532

Ein großer Teil ist der Geschichte und Geografie gewidmet, vor allem anhand missionarischer Werke. Weitere Themen sind Literatur, Recht, Gesellschaftswissenschaften und Kunstgeschichte. Aber auch Bücher über Esoterik, Freimaurertum, Magie, Dämonologie und Okkultismus gehören dazu.

Herausragend ist eine Sammlung von 3 000 chinesischen Werken: literarische und philosophische Klassiker aus dem Reich der Mitte sowie Übersetzungen religiöser Schriften, die die wissenschaftliche Tätigkeit der Jesuiten in Shanghai dokumentieren.

Die Kollektion der Jesuiten von Les Fontaines steht seit dem 26. März 1999 zum Studium zur Verfügung und kann im Lesesaal der Abteilung Altbestände (Fonds Ancien) eingesehen werden. Ein Verzeichnis der Manuskripte und gedruckten Werke kann über den Online-Katalog der Stadtbibliothek von Lyon aufgerufen werden.

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